Teil 2 · Praxisfälle
Altersvorsorgedepot 2027: Welche Strategie für Ihr Profil?
Sie kennen die Regeln des neuen Altersvorsorgedepots. Bleibt die eigentliche Frage: Wie viel sollten Sie einzahlen, und lohnt es sich in Ihrer Situation wirklich? Hier sind fünf durchgerechnete Profile, eine Checkliste für Januar 2027 und die Fehler, die Sie vermeiden sollten.
Wenn Sie neu im Thema sind, beginnen Sie mit Teil 1: Altersvorsorgedepot 2027: der komplette Leitfaden.
Fall 1 · Aïcha, 22, in der Ausbildung
Aïcha kann nur 25 € pro Monat (300 € pro Jahr) zurücklegen. Genau hier ist das Altersvorsorgedepot am großzügigsten: Auf die ersten 360 € legt der Staat 50 Cent pro Eurodazu, also 150 € pro Jahr. Da sie ihr Depot vor 25 eröffnet, erhält sie zusätzlich einen einmaliger Bonus von 200 €.
Ergebnis mit 65: etwa 60.400 € netto, gegenüber 45.800 € im klassischen ETF-Depot, bei 12.900 € eigenen Einzahlungen.
Mein Rat: das Depot schon 2027 eröffnen, um den Bonus nicht zu verpassen – auch mit kleinem Betrag – und die Einzahlungen erhöhen, wenn das Gehalt steigt.
Fall 2 · Familie Mbarga, zwei Kinder (3 und 6 Jahre)
Die Eltern sind 32. Ein Elternteil zahlt 50 € pro Monat (600 € pro Jahr) ein. Die Grundzulage beträgt 240 €, und jedes kindergeldberechtigte Kind bringt bis zu 300 €: 840 € pro Jahr insgesamt, also 1,40 € vom Staat für jeden eingezahlten Euro.
Ergebnis mit 65: etwa 85.500 € netto, gegenüber 49.400 € im klassischen Depot. Über die Laufzeit steuert der Staat etwa 16 000 € bei, bei 19.800 € Einzahlungen.
Mein Rat: Für Familien ist das Altersvorsorgedepot kaum zu schlagen. Prüfen Sie, wer das Kindergeld bezieht: Dieser Elternteil erhält in der Regel die Kinderzulage. Beide Eltern können auch jeweils ein Depot eröffnen und so zwei Grundzulagen erhalten.
Fall 3 · Serge, 40, Führungskraft mit 42 % Steuersatz
Serge zahlt den geförderten Höchstbetrag ein: 150 € pro Monat (1.800 € pro Jahr). Er erhält 540 € Zulage. Dank des Steuerabzugs erstattet ihm das Finanzamt zusätzlich etwa 443 € pro Jahr über die Steuererklärung.
Ergebnis mit 65: etwa 95.800 € netto im Depot, gegenüber 86.600 € im klassischen Depot. Die jährlich erstatteten 443 € sind nicht eingerechnet: Reinvestiert in einen ETF-Sparplan wächst der Vorsprung weiter.
Mein Rat: genau 150 € pro Monat ins Altersvorsorgedepot einzahlen und den Rest seiner Ersparnisse in ein freies, jederzeit verfügbares ETF-Depot investieren.
Fall 4 · Nadia, 35, selbstständig
Bisher hatte Nadia keinen Anspruch auf Riester. Mit der Reform werden nicht rentenversicherungspflichtige Selbstständige förderberechtigt. Sie zahlt 150 € pro Monatein, erhält 540 € Zulage und etwa 162 € Steuererstattung pro Jahr (Grenzsteuersatz 30 %).
Ergebnis mit 65: etwa 135.600 € netto, gegenüber 122.000 € im klassischen Depot – eine Ergänzung von rund 565 € pro Monat von 65 bis 85.
Mein Rat: Für Selbstständige ohne Pflichtrente ist es ein Grundbaustein. Allein reicht es nicht: Es braucht zusätzlich freie Ersparnisse.
Fall 5 · Jean-Paul, 30, denkt an einen Umzug nach Kanada
Jean-Paul lebt in Deutschland, erwägt aber, in fünf Jahren nach Kanada zu ziehen. Mit 150 € pro Monat erhielte er 540 € pro Jahr, also 2.700 € Zulagen in fünf Jahren.
Bei einem Wegzug außerhalb von EU oder EWR müssen Zulagen und Steuervorteile in der Regel zurückgezahlt werden, wie bei Riester. Eine Stundung ist manchmal möglich, aber nichts geschieht automatisch.
Mein Rat: Ist ein Wegzug aus der EU wahrscheinlich, besser ein klassisches, flexibles und übertragbares ETF-Depot wählen oder nur einen kleinen Betrag einzahlen. Klären Sie das vorher.
Zusammenfassung
| Profil | Einzahlung | Staat / Jahr | Netto mit 65 | Klassisches ETF-Depot |
|---|---|---|---|---|
| Aïcha, 22 | 25 € / Monat | 150 € + 200 € Bonus | ≈ 60 400 € | ≈ 45 800 € |
| Familie, 2 Kinder | 50 € / Monat | 840 € | ≈ 85 500 € | ≈ 49 400 € |
| Serge, Führungskraft 42 % | 150 € / Monat | 540 € + 443 € Steuer | ≈ 95 800 € | ≈ 86 600 € |
| Nadia, selbstständig | 150 € / Monat | 540 € + 162 € Steuer | ≈ 135 600 € | ≈ 122 000 € |
| Jean-Paul, Wegzug geplant | vermeiden | zurückzuzahlen | – | besser geeignet |
Ihre Checkliste für Januar 2027
- Betrag festlegen. Mindestens 10 € pro Monat für die Förderung; über 150 € pro Monat wird der Rest nicht mehr gefördert.
- Anbieter vergleichen. Achten Sie auf Gesamtkosten, ETF-Auswahl und die Möglichkeit, Einzahlungen zu ändern.
- Variante wählen. Standarddepot (zwei Fonds, Kosten auf 1 % gedeckelt), freies Depot mit Ihren ETFs oder ein Garantieprodukt, wenn Sie Sicherheit bevorzugen.
- Zulage beantragen. Der Anbieter lässt Sie den Antrag unterschreiben; prüfen Sie, dass er auch Ihre Kinder umfasst.
- Riester: übertragen, nicht kündigen. Eröffnen Sie das neue Depot und lassen Sie den neuen Anbieter Ihr Guthaben übertragen.
- Freie Ersparnisse daneben behalten. Das Geld im Altersvorsorgedepot ist bis 65 gebunden.
Fragen an Ihre Bank
- Wie hoch sind die jährlichen Gesamtkosten, alles inklusive?
- Welche ETFs kann ich wählen, und kann ich die Aufteilung kostenlos ändern?
- Kann ich Einzahlungen pausieren oder senken?
- Wie funktioniert ein Wechsel zu einem anderen Anbieter?
- Was passiert, wenn ich in ein anderes Land ziehe?
3 Fehler, die Sie vermeiden sollten
- Weniger als 10 € pro Monat einzahlen: Es gibt keine Zulage.
- Glauben, alles werde gefördert: Die Grundzulage endet bei 1.800 € pro Jahr.
- Den Riester-Vertrag selbst kündigen: Sie verlieren die bereits erhaltenen Zulagen.
Lehrbeispiele mit fiktiven Personen. Sie stellen keine individuelle Anlage- oder Steuerberatung dar. Regeln mit Stand 31. Oktober 2026, Änderungen durch Durchführungsbestimmungen möglich.
Quellen: cash-online · biallo · vorsorgedepot-lotse